Manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt begriffen habe, dass du tot bist.
Nicht mit dem Kopf.
Der Kopf weiß es.
Der Tod wurde bestätigt.
Die Tage sind vergangen.
Die Monate auch.
Und doch gibt es einen Teil in mir, der sich fragt, ob ich noch immer im Schock feststecke.
Denn wie kann ein Mensch so etwas begreifen?
Wie kann eine Mutter verstehen, dass ihr Kind nicht mehr nach Hause kommt?
Vielleicht funktioniere ich nur.
Ich stehe auf.
Ich trinke meinen Kaffee.
Ich dusche.
Ich erledige, was erledigt werden muss.
Ich ziehe ein Kind groß.
Ich gehe durch Behörden.
Durch Formulare.
Durch Gerichte.
Durch eine Scheidung zwischen zwei Ländern.
Ich atme.
Ich funktioniere.
Alles ganz ohne dich.
Und nichts daran fühlt sich normal an.
Manchmal denke ich, dass mein Körper mich beschützt.
Dass er nur so viel Schmerz zulässt, wie ich gerade tragen kann.
Dass irgendwo hinter dieser Mauer etwas wartet, das noch zu groß ist, um es anzusehen.
Und dann kommt die Angst.
Was passiert, wenn diese Mauer eines Tages fällt?
Was passiert, wenn ich wirklich begreife, dass du nicht zurückkommst?
Werde ich die Welt mit meinem Geschrei zerreißen?
Werde ich die Wände einreißen, die mich all die Zeit getragen haben?
Werde ich zusammenbrechen unter der Wahrheit dessen, was geschehen ist?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht weiß das niemand.
Vielleicht besteht Trauer genau daraus.
Nicht aus einem einzigen Moment des Verstehens.
Sondern aus tausend kleinen Momenten.
Immer wieder.
Immer wieder neu.
Ein Teil versteht.
Ein anderer Teil kann es nicht.
Ein Teil akzeptiert.
Ein anderer wartet noch immer darauf, aufzuwachen und festzustellen, dass alles nur ein Albtraum war.
Vielleicht ist das kein Zeichen von Schwäche.
Vielleicht ist es die Art, wie ein Herz überlebt.
Denn manche Wahrheiten sind so groß, dass wir sie nicht auf einmal tragen können.
Also trägt die Seele sie Stück für Stück.
Tag für Tag.
Atemzug für Atemzug.
Und vielleicht ist das der Grund, warum ich heute noch hier bin.
Nicht weil ich verstanden habe.
Sondern weil ein Teil von mir noch immer lernt, mit dem Unbegreiflichen zu leben.
Was, wenn ich noch immer im Schock bin?
Wenn du gerade hier bist, trägst du vielleicht etwas Schweres in dir. Du musst es nicht alleine tragen.
Nimm dir einen Moment. Atme. Und geh in deinem Tempo weiter.
SanielyaDu musst diesen Weg nicht alleine gehen
Wenn du dir Begleitung wünschst – in Gesprächen oder durch sanftes Yoga – bin ich für dich da.
Kontakt aufnehmen