Verlust in Verlust

Verlust in Verlust

Als du gegangen bist, habe ich gedacht, der Verlust sei nur du.

Heute weiß ich, dass Trauer selten nur einen Menschen mitnimmt.

Nachdem du gestorben bist, sah die Welt anders aus.

Stiller.

Kälter.

Steriler.

Als hätte jemand die Farben herausgewaschen und nur noch die Umrisse zurückgelassen.

Nichts ergab mehr Sinn.

Die Dinge, die früher wichtig waren, verloren ihre Bedeutung. Pläne wurden unwichtig. Ziele verschwammen. Die Zukunft, die ich mir vorgestellt hatte, existierte plötzlich nicht mehr.

Doch der Verlust hörte nicht bei dir auf.

Mit dir gingen auch Teile meines alten Lebens.

Beziehungen veränderten sich.

Manche Menschen blieben.

Andere verschwanden.

Nicht aus Bosheit.

Sondern weil Trauer verändert. Und nicht jeder kann den Weg mitgehen.

Orte verloren ihre Vertrautheit.

Manche Erinnerungen wurden zu schmerzhaft, um sie zu besuchen.

Manche Lieder zu schwer, um sie anzuhören.

Manche Träume zu weit entfernt, um noch an sie zu glauben.

Die Trauer nahm Raum ein.

Immer mehr Raum.

Als würde sie Möbel verrücken, Wände verschieben und mein ganzes inneres Zuhause neu ordnen.

Was früher wichtig war, stand plötzlich im Hintergrund.

Was früher selbstverständlich war, wurde kostbar.

Und ich selbst erkannte mich manchmal kaum wieder.

Trauer zerstört nicht nur.

Aber bevor sie neu aufbauen kann, räumt sie oft alles um.

Sie stellt Fragen, die wir nie beantworten wollten.

Sie nimmt Gewissheiten weg.

Sie zwingt uns, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Nichts ist mehr wie vorher.

Und vielleicht wird es das auch nie wieder sein.

Das bedeutet nicht, dass es niemals wieder gut werden kann.

Aber es wird anders.

Nicht das Leben von früher.

Sondern ein Leben, das gelernt hat, mit einem fehlenden Stück weiterzugehen.

Manchmal trauere ich nicht nur um dich.

Manchmal trauere ich auch um die Person, die ich vor deinem Tod war.

Um die Leichtigkeit.

Um die Selbstverständlichkeit.

Um die Zukunft, die ich verloren habe.

Verlust bringt Verlust hervor.

Und doch wächst zwischen all den Bruchstücken manchmal etwas Neues.

Nicht stärker.

Nicht besser.

Aber wahrhaftiger.

Ein Leben, das die Liebe nicht vergessen hat.

Ein Leben, das den Schmerz kennt.

Und trotzdem jeden Morgen wieder aufsteht.

Wenn du gerade hier bist, trägst du vielleicht etwas Schweres in dir. Du musst es nicht alleine tragen.

Nimm dir einen Moment. Atme. Und geh in deinem Tempo weiter.

Sanielya

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen

Wenn du dir Begleitung wünschst – in Gesprächen oder durch sanftes Yoga – bin ich für dich da.

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