Kinder in deinem Alter

Kinder in deinem Alter

Manchmal sehe ich Kinder in deinem Alter.

Auf dem Spielplatz.

Im Supermarkt.

Auf der Straße.

Und für einen kurzen Moment bleibt die Welt stehen.

Ich frage mich, wie du heute aussehen würdest.

Wie groß du geworden wärst.

Welche Frisur du tragen würdest.

Welche Kleidung du mögen würdest.

Was du mir erzählen würdest, wenn du aus der Schule kommst.

Worüber du lachen würdest.

Worüber wir diskutieren würden.

Es sind Gedanken, die überall auf mich warten.

In jedem Kind, das ungefähr dein Alter hat.

In jeder Stimme.

In jedem Lachen.

Doch oft bremse ich sie ab, bevor sie mich einholen.

Bevor sie mich auf ihr Karussell setzen und mit sich fortreißen.

Denn ich weiß, wohin sie führen.

Zu all den Leben, die du hättest leben können.

Zu all den Momenten, die nie stattfinden werden.

Zu all den Antworten, die ich niemals bekommen werde.

Also ziehe ich die Handbremse.

Nicht weil ich dich vergessen möchte.

Sondern weil ich überleben möchte.

Manchmal habe ich das Gefühl, meine Gedanken sollen mich schützen.

Und nicht zerstören.

Sie sollen mich durch den Tag bringen.

Nicht unter ihm begraben.

Denn es gibt Tage, an denen ich nur noch funktioniere.

Ich stehe auf.

Ich erledige, was erledigt werden muss.

Ich spreche.

Ich lächle manchmal sogar.

Doch innerlich fühle ich mich oft wie eine Hülle.

Als würde nur noch mein Körper weiterlaufen.

Als wäre ein Teil von mir an dem Tag stehen geblieben, an dem du gegangen bist.

Und dann frage ich mich:

Ist das überhaupt ein Leben?

Vielleicht ist es im Moment nur Überleben.

Vielleicht gibt es einen Unterschied.

Vielleicht ist Überleben das, was passiert, wenn ein Herz etwas tragen muss, das eigentlich nicht tragbar ist.

Und vielleicht darf auch das sein.

Denn selbst an den Tagen, an denen ich mich leer fühle, liebe ich dich.

Selbst an den Tagen, an denen ich nur noch funktioniere, vermisse ich dich.

Und selbst an den Tagen, an denen ich glaube, nur noch als Körper durch die Welt zu gehen, schlägt mein Herz noch immer für dich.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich weitergehe.

Ein Schritt.

Ein Tag.

Ein Atemzug nach dem anderen.

Wenn du gerade hier bist, trägst du vielleicht etwas Schweres in dir. Du musst es nicht alleine tragen.

Nimm dir einen Moment. Atme. Und geh in deinem Tempo weiter.

Sanielya

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen

Wenn du dir Begleitung wünschst – in Gesprächen oder durch sanftes Yoga – bin ich für dich da.

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