Die Wut

Die Wut

Ich gehe in meinem Alltag doppelt.

Da ist die Frau, die funktioniert.

Sie steht morgens auf.

Sie trinkt ihren Kaffee.

Sie führt Smalltalk.

Sie erledigt Termine.

Sie beantwortet Fragen.

Sie lächelt, wenn es erwartet wird.

Sie tut alles, was das normale Leben von ihr verlangt.

Und dann gibt es die andere.

Die, die niemand sieht.

Die Wütende.

In meiner Vorstellung schreie ich.

Ich reiße alles vor mir ein.

Ich schiebe diese Welt zur Seite.

Ich suche nach dir.

Dort, wo du jetzt bist.

Als könnte ich dich mit bloßen Händen zurückholen.

Als könnte meine Wut den Tod rückgängig machen.

Doch die Welt bewegt sich keinen Millimeter.

Und du kommst nicht zurück.

Also schlucke ich meine Wut hinunter.

Immer wieder.

Ich zähme sie.

Ich halte mein Geschrei fest, bevor es laut wird.

Ich schleudere meine Tränen zurück nach innen.

Dort, wo sie niemand sieht.

Manchmal frage ich mich, wie viel ein Mensch in sich tragen kann.

Wie lange eine Seele schreien kann, ohne dass jemand sie hört.

Die Wut ist nicht gegen dich gerichtet.

Sie ist gegen das, was geschehen ist.

Gegen die Ungerechtigkeit.

Gegen die Ohnmacht.

Gegen eine Welt, die einfach weiterläuft.

Sie will einen Schuldigen finden.

Doch sie findet nur Leere.

Mit der Zeit habe ich verstanden, dass Wut kein Zeichen dafür ist, dass ich weniger liebe.

Vielleicht ist sie sogar ein Ausdruck dieser Liebe.

Denn nur wer tief geliebt hat, kann so tief gegen den Verlust aufbegehren.

Die Wut ist nicht mein Feind.

Sie erzählt davon, wie sehr du fehlst.

Und vielleicht muss ich sie nicht für immer zähmen.

Vielleicht darf sie manchmal einfach da sein.

Still.

Laut.

Oder nur als ein Zittern tief in meiner Brust.

Denn auch sie gehört zu meiner Liebe.

Und damit gehört sie zu dir.

Wenn du gerade hier bist, trägst du vielleicht etwas Schweres in dir. Du musst es nicht alleine tragen.

Nimm dir einen Moment. Atme. Und geh in deinem Tempo weiter.

Sanielya

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen

Wenn du dir Begleitung wünschst – in Gesprächen oder durch sanftes Yoga – bin ich für dich da.

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